Ein kurzer geschichtlicher Abriss zu diesem Gebäude und seinen Bewohnern

Eine zeitgeschichtliche Vorbetrachtung/Das hessische Geschlecht der „Waldenberger“ als adjunktierte Fürstlich-Hessische Vögte in Berka/Werra

von Reiner Guth -  Buchautor “1225 Jahre Berka an der Werra * 786 bis 2011”

1 Eine zeitgeschichtliche Vorbetrachtung

Im Hessisch-Thüringischen Erbfolgekrieg, der vom 12. bis zur 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts dauerte, ging es den beiden Fürstenhäusern um Macht und Besitz. Die beiden hessischen Klöster Hersfeld und Fulda beteiligten sich ebenfalls intensiv an diesen Intrigen und Auseinandersetzungen. Große Teile des Gebietes östlich der Werra - von Berka bis Zillbach und von Sallmannshausen bis Kleinschmalkalden - waren unter den Einfluss des Klosters Hersfelds gekommen. Der Abt des Klosters Fulda bemächtigte sich hingegen vieler Thüringer Orte westlich der Werra, von Gerstungen über Dankmarshausen bis nach Großensee.

1354 schlossen der hessische Landgraf Friedrich der Strenge (III.), Landgraf Balthasar von Thüringen, der eigentlich ein Wettiner (Sachse) war und der Abt Johann von Hersfeld einen sogenannten „Vergleich“. Sie vereinbarten, das gesamte „Ampt zu Breidenbach“ mit dem dortigen Kaysergut (auch als Rittergut bezeichnet) mit allen Rechten gemeinsam zu besitzen und durch jeweils einen eigenen Vogt zu verwalten. Eine solche Verwaltungsform wird als „Kondominat“ bezeichnet. Diese Vereinbarung hielt trotz vieler teils auch militärischer Auseinandersetzungen und Rechtsstreitigkeiten bis zum Jahre 1733.

So wurde Berka, wie viele andere Orte gleichfalls, während der Laufzeit des Vertrages z. B. 1525 durch den Landgrafen von Hessen und auch 1730 kurzzeitig durch Hessen mit Waffengewalt besetzt gehalten – wegen geringfügiger Anlässe.

Berka wurde Verwaltungssitz des hessischen bzw. hersfeldischen Vogtes im Amt. Er residierte im „Hessischen Amtshaus“ am Markt 8, welches noch heute als „Storchenbäckerei“ bezeichnet wird, obwohl das Dach des Hauses seit vielen Jahren kein Storchennest mehr trägt.

Der sächsische Vogt residierte nur von 1354 bis zum Jahre 1573 in Breitenbach. Die Verwaltungsstelle wechselte im genannten Jahr nach Gerstungen und verblieb dort bis zum Ablauf des Vertrages. Berka blieb jedoch der zuständige Gerichtsort für das gesamte Amt Breitenbach.

Im Amt Breitenbach, dem heutigen Hausbreitenbach, gab es neben dem heute noch teilweise erhaltenen „Kaysergut“ mit seinem Vorwerk noch ein weiteres Gut der Herren von Buttlar, welches 1695 in den Besitz des Waldenberger Vogtes als Lehen wechselte. Eine Wasserburg, die zwischen dem Ort und der Suhl stand, hat es in früheren Jahrhunderten ebenfalls im Ort gegeben. Der Standort des Buttlarischen bzw. Waldenbergerischen Guts ist bis heute leider noch ungeklärt. Seine Existenz ist jedoch urkundlich vielfach belegt.

Die Waldenberger-Amtsvögte mit ihren jeweiligen Familien haben über Jahrzehnte hinweg in ihrem Lehnsbesitz, dem Waldenberger Gut bzw. Waldenberger Hof in der heutigen Lappengasse in Berka gewohnt. Noch auf einer Karte von 1733 ist die enorme Größe dieses früheren Besitzes im Ort nachgewiesen.

Nach dem Ablauf der Kondominatszeit im Jahre 1733 einigte man sich in einem neuerlichen Vertrag wie folgt:

Das Fürstentum Hessen erhielt aus dem Amt Gerstungen die Orte Süß, Kleinensee, Bosserode und Rasdorf, aus dem Amt Breitenbach die Orte Dippach und Gospenroda.

Bei der Neuordnung der deutschen Staaten im Jahre 1816, die auch vom damaligen Weimarer Großherzog Carl August mit getragen wurde, erhielt Sachsen-Weimar-Eisenach noch Dippach, Gospenroda,  Vitzeroda,  Abteroda und Gasteroda von Hessen zurück.

2 Das hessische Geschlecht der „Waldenberger“ als Fürstlich-Hessische Amtsvögte in Berka/Werra

2.1 Johann Henrich Waldenberger  (6. März 1615 in Hersfeld – 18. August 1689 in Berka)

Johann Henrich Waldenberger kam im Jahre 1646 mit seiner Frau Maria Elisabetha und den seit der Heirat im Jahr 1640 in Hersfeld geborenen Kindern als erster adjunktierter (bestellter) Fürstlich-Großherzoglicher Vogt der Familie Waldenberger für das Amt Breitenbach nach Berka. Das „Hessische Amtshaus“ am Markt war der Verwaltungssitz der hessischen Vögte. Es ist denkbar, dass die Familie in den ersten Jahren dieses Gebäude auch als Wohnsitz nutzte, was aber nicht belegt ist. Johann Henrich war der erste Sohn von Johannes Waldenberger, Magister und Konrektor (Stellvertreter) der Stiftsschule (Gymnasium) des Klosters zu Hersfeld. Bereits dessen Vater, M. Gerhard Waldenberger, war von 1579 bis zu seinem Tod 1584 Rektor dieser damals neu gegründeten Schule gewesen. Angehörige der großen Waldenberger-Familie wirkten zu dieser Zeit bereits als Vögte in anderen Ämtern in Hessen und Thüringen, aber auch als Rentmeister, Erbküchenmeister, Fruchtschreiber oder als Ministeriale am Fürstlichen Hof zu Kassel.

1647 wurde die Tochter Anna Maria, das erste in Berka geborene Kind der Familie Waldenberger, durch den hiesigen Pfarrer Georg Ferg getauft. Die Frau des Vogtes Maria Elisabetha gebar bis zu ihrem frühen Tod mit 33 Jahren im Jahr 1650 noch drei weitere Kinder in Berka. Sie wurde auf dem hiesigen Friedhof beerdigt.

Johann Henrich Waldenberger heiratete noch zwei Mal. Die Frauen, Kunigunda Agnes und Barbara Catharina, lebten jedoch auch nur relativ kurze Zeit. Von den 13 bis zum Jahre 1669 in Berka geborenen Kindern des Vogtes verstarben vier frühzeitig. Auch sie wurden, wie ihre Mütter, auf dem „Gottesacker in Berka mit kirchlicher Zeremonie zu Grabe getragen“. Der erste, in Hersfeld geborene Sohn des Vogtes, Henricus Mauritius, verstarb 1670 mit 30 Jahren in Berka.

Zwei erwachsene Töchter, Anna Elisabeth und Kunigunda Agnes, wurden in den Jahren 1672 und 1674 mit ihren Ehemännern Johann Christophorus Gephardt und Heinrich Günther von Wallenstein, beides Söhne von Vögten, in der Kirche zu Berka vom hiesigen Pfarrer Ferg „kopuliert“ (verheiratet).

(Pfarrer G. Ferg, im Amt seit 1641, wurde im Jahre 1675 in der Berk’schen Flur tot aufgefunden. Er war dabei gewesen, sein Feld zu pflügen.)

1653 kaufte Waldenberger durch Beleihung das Kaysergut (Rittergut) samt der zugehörigen Güter in(Haus-) Breiten- bach.

Für die Jahre von 1651 bis 1688 - nicht vollständig - finden sich im Archiv von Berka „Gemeinde-Jahresrechnungen“, die vom jeweiligen Bürgermeister oder Zwölfer der Gemeinde erstellt wurden. Die beiden Vögte (Hessen und Sachsen) prüften diese Aufstellungen und bei  Richtigkeit wurden sie mit Unterschrift zertifiziert. Johann Henrich Waldenberger leitete zudem von 1661 bis 1678 die Verwaltung der Hessischen Stiftskollektur zu Eisenach, dem späteren „Hersfelder Hof“ in der Georgenstraße. 

Wann das große Gut in Berka in der heutigen Lappengasse errichtet wurde, war leider nicht zu klären. Grund und Boden dieses gesamten Areals befanden sich zu dieser Zeit im Besitz des Eisenachischen Stifts St. Annen, welches zum Kloster Hersfeld gehörte. Der Vogt hatte, urkundlich belegt, auch den jährlichen Zins für sein Lehen in Berka zu zahlen, wie der Vermerk „Bercka, des Vogts Hauß“ belegt. Es darf wohl bei der großen Zahl der Familienangehörigen der Waldenberger davon ausgegangen werden, dass es bereits frühzeitig, noch zu Lebzeiten des Vogtes Johann Henrich, durch die Familie bezogen wurde, wie auch Lehfeldt/Voss vermuteten.

Johann Henrich Waldenberger, der erste Vogt aus diesem hessischen Geschlecht, verstarb am 18. August 1689 im Alter von fast 74 Jahren in Berka. Er wurde, wie seine Ehefrauen und die Kinder gleichfalls, nach mehr als 43 Jahren als Vogt des Amtes Breitenbach auf dem hiesigen Friedhof beerdigt. Sein Sohn Johann Melchior übernahm ab diesem Zeitpunkt die Amtsgeschäfte als Vogt.

2.2 Johann Melchior Waldenberger  (29. 03. 1661 in Berka – 21. 09. 1725 in Berka)

J. M. Waldenberger wurde als 10. Kind des bisherigen Vogtes und dessen Ehefrau Anna Catharina 1661 in Berka geboren, die jedoch bereits im Jahr 1693 verstarb. 1697 heiratete der Vogt die hochlöbliche Frau Barbara Cathrina, die im gleichen Jahr das erste gemeinsame Kind nach der Kopulation (Heirat), den Sohn Peter Michael, zur Welt brachte - den späteren dritten Amtsvogt der Waldenberger im Amt Hausbreitenbach.

Kurz nacheinander verstarben im Jahre 1725 am 29. Januar Barbara Cathrina Waldenberger und wenige Monate später, am 21. September ihr Ehemann und Vogt Johann Melchior. Er war 64 Jahre alt geworden und 36 Jahre im Amt gewesen. In den beiden Ehen wurden 13 Kinder geboren; 7 Söhne und 6 Töchter, von denen vier Kinder relativ früh verstarben und auf dem „Gottesacker in Berka mit kirchlicher Zeremonie zu Grabe getragen wurden“, wie der örtliche Pfarrer damals in`s Kirchenbuch schrieb.

Johann Melchior übernahm 1795 das Kaysergut mit Lehnsbrief in Erbengemeinschaft gemeinsam mit seinen Brüdern Johann Balthasar und Johann Henrich sowie seiner Schwester Anna Elisabeth, verheiratete Hippstätt. Der Vogt kaufte im gleichen Jahr das ebenfalls in Hausbreitenbach befindliche sogen. Buttlarische Erblehngut von Friedrich Moritz v. Buttlar.

Bereits seit 1698 sind erste Rechtsstreitigkeiten mit dem Landesfürsten von Sachsen-Weimar-Eisenach  und auch unter den Geschwistern sowie mit deren Familien über die beiden Güter in vielen Schriftsätzen urkundlich nachgewiesen. Dabei ging es vor allem um rechtliche Mängel in den abgeschlossenen Verträgen oder um nicht beglichene Lehnsgelder. Aber auch wegen offener Vormundschaftsrechnungen wurde juristisch gestritten. Diese Auseinandersetzungen dauerten bis zu seinem Tod im Jahr 1725 an und mussten durch seinen Sohn Peter Michael fortgeführt werden.

2.3    Peter Michael Waldenberger

Der am 12. August 1697 in Berka geborene Peter Michael Waldenberger übernahm nach dem Tod seines Vaters Johann Melchior im Jahre 1725 das Amt Hausbreitenbach als adjunktierter (bestellter) Amtsvogt. Sein Wirken als Vogt des Amtes Hausbreitenbach ist in einer Eintragung im Kirchenbuch von Berka aus dem Jahr 1729 nachgewiesen, als er im gleichen Jahr die Juliana heiratete. Auch bei Eintragungen zur Taufe der beiden Kinder in den Jahren 1729 und 1731 wurde er als „Hochfürstlicher bzw. Großfürstlicher Fürstlicher Casselischer verordneter Amtsvoigt“ bezeichnet. Wie lange Peter Michael Waldenberger dieses Amt ausgeübt hat, ist nicht geklärt. Es ist davon auszugehen, dass er auf jeden Fall bis zum Jahre 1742 als Vogt eingesetzt war, dem Ende der Zeit des gemeinsamen Kondominats zwischen Hessen und Thüringen bzw. Sachsen.  

In den nächsten Jahrzehnten wurden die Forderungen an die Waldenberger durch die Gläubiger wegen offener Zahlungen und Rechnungsrückstände immer massiver. Die Beschlagnahme der Güter wurde 1734 angedroht. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Schriftverkehr von Seiten der Waldenberger meist durch eine Tochter des Vogtes und seinem Neffen mit gleichem Vornamen, dem Sohn seines Bruders Johann George Waldenberger, geführt. Selbst eine durch die Prinzessin Friederike Louise von Gotha im Jahre 1776 gewährte Hypothek über die beträchtliche Summe von 6.000 Reichstalern konnte die drohende Insolvenz nicht mehr abwenden. Im Jahre 1785 wurden die beiden Güter, das Kaysergut, das Buttlarische Gut sowie der Besitz in Berka mit allem Zubehör für 9.200 Reichstaler an Herrn Christian Georg Schuhmann aus Eschwege und in der Folge an dessen Sohn Johann Georg aus Eisenach erblich verkauft. Die tatsächlich juristisch bestätigte Übergabe/Übernahme des Besitzes erfolgte drei Jahre später, im Jahre 1788. In einem Schreiben der Fürstlich-Sächsischen Regierung aus dem Jahre 1793 wurde nun von dem „Schuhmannschen Gut“ gesprochen – dem Ende der „Waldenberger“ im Amt Hausbreitenbach und auch in Berka.

Verwendete Quellen:

Unterlagen des Thüringer Hauptstaatsarchives Weimar

Unterlagen des Hessischen Hauptstaatsarchives Marburg

Unterlagen des Niedersächsischen Landesarchives Hannover

Unterlagen des Staatsarchives Kassel

Unterlagen des Archives der Stadt Bad Hersfeld

Unterlagen des Archives der Stadt Berka

Kirchenbücher des Thüringer evang.-lutherischen Archives in Eisenach; Kirchenbücher seit 1641

Unterlagen des Archives der Stadt Friedewald und des dortigen Pfarramtes

Unterlagen des Realgymnasiums

Nachforschungen in Hausbreitenbach, Gerstungen, bei Mitgliedern der Familien derer von Buttler, von Buttlar und von Tresch

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“Waldenberger Hof”